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erwachen

Mein Erleben war weit: In jedem Moment, in dem ich es mochte, sah, hörte, roch, schmeckte und tastete ich bewusst, empfand ich meinen Körper, fühle ich mein Gefühl, hörte ich meine Gedanken und spürte ich.

Ich hatte vieles für mich erkannt: Mein Dasein in den räumlichen Ebenen der Existenz, mein Wollen und Brauchen, meinen Instinkt, was meine Seele mir in Angst, Wut, Freude, Leid, Traurigkeit und Liebe mitteilt, wie verbunden wir Menschen in der seelisch-geistigen Ebene sind und wer ich bin.

Ich hatte vieles für mich erreicht: Seit Jahren legte mir das Leben in ausgewählten Momenten Erinnerungen ans Herz und half mir, zu vergeben. So war meine innere Welt stiller geworden, weiter, lichter, da Altes mich weniger umfing. Mein Denken war zurückgetreten und nahm nicht mehr den Raum in meinem Erleben ein, den es früher für sich beansprucht hatte. Mein Fühlen hatte sich mit meinem Denken liebevoll verbunden, sodass beides heute Hand in Hand in mir wirkt. Im gleichzeitigen Denken, Fühlen und Spüren zeigt mein Selbst mir, welche die eigenen, bedeutsamen Gedanken sind. Ich lebe in innerer Führung, die sich mir in allen Fällen als weise und vorausschauend erwiesen hat. Das Leben ließ innerlich, körperlich und in meinem Außen Wundersames geschehen, das mich auf meinem Weg nährt und bestärkt.

Wenn du mich fragst, würde ich sagen, dass ich erwacht bin. Es ist nicht in den Wahrnehmungen der Sinne, nicht im Körper und nicht im Denken und Fühlen zu finden. Es ist kein Erkennen. Es ist kein Zustand, den ich innerlich oder äußerlich errichtet habe, sondern ein weiterer Aspekt meines Erlebens, der alles andere zu umfassen scheint. Ein Freund hat es mir 2014 in seinen sonntäglichen Satsangs zum ersten Mal wach-bewusst geschenkt: Die Erfahrung, weit über die Grenzen des eigenen Körpers hinaus das Leben selbst zu sein, das alles ist und bewirkt.

Heute erlebe ich Angst in mir – zurecht, denn in meiner Uneingebundenheit weiß ich im Laufe des Monats nicht, ob meine Einkünfte für die Miete reichen werden. Ich erlebe es, kann es annehmen und weiß zugleich, was meine Seele mir in der Angst nahelegt. Heute erlebe ich Traurigkeit in mir – ich kann die Tränen laufen lassen, denn noch ist nicht alles in mir zu Tage getreten, was sich mein Reines Selbst an Heilung vorgenommen hat. Heute erlebe ich Wut in mir – zurecht, um meinen Raum zu schützen, um Veränderungen für mich zu bewirken, zum eigenen Wohl und achtsam, in Absprache, auch zum Wohl meiner Nächsten. Heute erlebe ich Leid in mir, wenn meine Seele mich dazu anhält, sich in mich zurückzuziehen, um mir etwas mitzuteilen, was sie mir in der Unruhe des Alltags nicht sagen möchte. Heute erlebe ich Freude in mir – ich lache, tanze, tobe und teile sie mit meinen Nächsten. In ihr weiß ich mich auf meinem Weg. Heute erlebe ich Liebe in mir und bin mit dem Leben verbunden. Heute bringe ich mich und mein Wirken immer wieder in die Welt und erfahre Desinteresse und Ablehnung – zurecht, denn es gibt an meinem Wesen und Wirken noch einiges zu verfeinern. Es hilft mir, mich weiter zu öffnen und altes Gehabe abzulegen.

Meine Sinne bescheren mir alle möglichen Eindrücke, mein Körper zeigt Symptome, Empfindungen und eigene Bewegungen, mein Fühlen zeigt all seine Gefühle, mein Denken ist oftmals voller Gedanken, mein Gespür ist nicht immer behaglich, meine Begegnungen nicht immer erfreulich… In all dem erlebe ich mich als reines Sein, das alles zugleich, unwandelbar und ewig ist. Ich bin Körper und Seelengeist und zugleich weiter als der Körper und weiser und befreiter als der Seelengeist. In manchen Momenten identifiziere ich mich mit dem Körper, in vielen mit dem Seelengeist, der einen Körper hat, und seit dem Erwachen auch als Reines Selbst, das mit dem Seelengeist und Körper auf das Engste verbunden ist, das alles zugleich ist. Über lange Weilen lebe ich wirkend und tätig in dem einen Strom, in dem es kein ‹ich› mehr gibt und alles in Liebe und Weisheit geschieht. Erwachen zeigt sich für mich im inneren Lächeln, das all die Empfindungen von Angst, Wut, Freude, Leid und Traurigkeit, all die sorgenvollen Gedanken und jedes unbehagliche Gespür durchwirkt. Mein Erleben als Reines Selbst ist für mich wirklich, da seine/meine Wirkung wahrhaft in Innen, Körper und Außen geschieht. Es ist die Verbundenheit mit dem Leben selbst, die mich trägt. Nichts geschieht ohne Sinn und es gibt keinen Zufall, außer dem, was mir das Leben zufallen lässt.

So erlebe ich es. Es ist jedoch kein Dauerzustand. Ich erlebe mein Erwachen in mir erwachsen. Früher waren es Momente, dann Weilen und heute ganze Tage. Immer wieder falle ich auch in Umfangenheit zurück. Eine Ahnung in ihnen trägt mich durch jede von ihnen, so wie ich in der Nacht den Tag vor mir ahne.

Ein Becher voll Maya (Geschichten zum Vorlesen Nr. 7)

Vor langer Zeit lebte in Indien ein Held. Eines Tages begegnete er Vishnu. Sie wanderten zusammen durch das Land und Vishnu fragte ihn, ob er irgendeinen Wunsch habe, den er ihm erfüllen könne.

«Lehre mich, was Maya bedeutet», bat der Mann. «Oh nein», sagte Vishnu, «wünsche dir irgendetwas anderes, nur nicht das!» «Aber ich möchte von dir lernen, was Maya bedeutet», antwortete der Mann. «Du kannst dir alles wünschen», sagte Vishnu, «eine schöne, hingebungsvolle Frau, große Reichtümer, Paläste, Gesundheit, ein langes Leben.» «Ich möchte lernen, was Maya bedeutet», antwortete der Mann.

«Nun gut», sagte Vishnu, «wenn das dein Wunsch ist, werde ich ihn erfüllen. Aber hole mir bitte zuerst einen Becher voll Wasser von dem Bauernhaus da drüben, und dann werde ich dich lehren, was Maya bedeutet.»

Der Held ging zu dem Bauernhaus und klopfte höflich an die Tür. Die Tür wurde von der schönsten Frau geöffnet, die er je gesehen hatte. Sie war nicht nur wunderschön, sie hatte auch tiefe, seelenvolle Augen. Er sah in diese Augen und verliebte sich. In diesem Augenblick wusste er, dass sie sich von früheren Leben her kannten und dass sie füreinander bestimmt waren. Sie wusste es ebenfalls. Sie bat ihn ins Haus und stellte ihn ihrer Familie vor. Ihre Eltern hießen ihn willkommen, als sei er ihr eigener, geliebter Sohn. Als er mit ihnen beisammen saß fühlte er so tiefen Frieden in sich, dass er wusste, hier war er zuhause. Er hielt um die Hand der jungen Frau an und die Eltern gaben dem Paar ein Stück Land, ein kleines Bauernhaus und ihren Segen. Es dauerte nicht lange, da brachten beide einen Jungen auf die Welt und dann ein Mädchen. Ihre Liebe zu den Kindern vertiefte ihre Liebe zueinander. Die Felder brachten reiche Ernte. Sie lebten mit den Jahreszeiten und das Glück schien jeden Tag in ihre Herzen.

Eines Tages erscholl ein Donnergrollen aus den Bergen. Der Himmel verdunkelte sich, die Erde bebte und eine gewaltige Flut ergoss sich über die Ebene. Der Mann griff seine kleine Tochter mit einem Arm und nahm seine Frau mit dem Jungen an die andere Hand. Sie rannten davon. Die Wassermassen zerstörten zuerst ihre Felder, dann ihr Haus. Sie liefen so schnell sie konnten aber das Wasser um sie herum begann zu steigen und eine plötzliche Flutwelle trennte den Mann von seiner Frau. Er schrie auf und versuchte, nach ihr zu greifen, als sie weggerissen wurde. Dabei verlor er auch das Baby, das er im Arm getragen hatte. Er schrie wieder auf und das Leid zerriss ihm das Herz. Er klagte und weinte und um ihn herum tobte der Sturm, der sein Haus, seine Liebe und sein Leben zerstört hatte. Er blickte nach unten und sah, wie seine Tränen in das schlammige, tosende Wasser fielen, in dem er stand.

Als die Tränen die Wasseroberfläche berührten, beruhigte sich das Wasser und wurde klar. Er sah auf und erkannte, dass er in einen Becher geweint hatte, den er in der Hand hielt. Er blickte in Vishnus Augen. Vishnu lächelte und sagte: «Das ist Maya.»

[mit freundlicher Genehmigung aus Bruno P. Würtenberger: Klartext – Jenseits der Illusion, www.freespiritinfo.com, 2002]

PS: ‹Erwachen› ist eines der Worte mit der Vorsilbe ‹er›, siehe auch ‹erleben›. ‹Erwachen› bedeutet im Ursprung: «ER wacht (in mir) auf» und auch: «ER wacht über mich». Das Leben selbst schläft niemals. Die Schale der Umfangenheit kann jedoch das eigene Wahrnehmen in einen dämmerigen Zustand hüllen.

innere Welt Trennstrich senkrecht C, Tusche Erwachen ist ein Weg Trennstrich senkrecht A, Tusche Beziehung Trennstrich senkrecht B, Tusche Bindung Trennstrich senkrecht C, Tusche Entwicklung Trennstrich senkrecht E, Tusche Erfüllung Trennstrich senkrecht B, Tusche

freies Denken Trennstrich senkrecht D, Tusche sich öffnen Trennstrich senkrecht C, Tusche ganz leben Trennstrich senkrecht A, Tusche Einklang Trennstrich senkrecht C, Tusche Vergebung Trennstrich senkrecht C, Tusche Test zum Erwachen

veröffentlicht am 16.7.2016, letzte Änderung am 18.11.2016 um 12:30 Uhr

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