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Was ist Erwachen? jahnna Stufen D, Tusche

Es ist möglich, die Schalen des Ichs so sehr um sich zu verdichten, dass die Weite des Daseins, Frieden, Leichtigkeit, Güte und Verbundenheit nicht mehr erfahrbar ist. Wem es gelingt, eine Tür durch seine Rollen und Hüllen hindurch zu öffnen, erlebt, erkennt und erinnert in diesem Augenblick das Leben selbst und erwacht.

Jeder Mensch erwacht eines Tages. Es ist nicht im Denken, nicht im Fühlen, nicht im Spüren allein zu finden. Es ist alles zugleich und mehr: Der und die Erwachte hebt etwas in ihr Bewusstsein, das sie schon immer gewesen ist: Das Einssein mit der Quelle des Lebens, mit der Einen Lebendigkeit, mit der Wesenheit, die das Leben selbst ist. Im Erwachen weitet sich das eigene Wesen über die verdichtete Energie des Körpers, über die Strukturen des Denkens, des Fühlens, über das Wollen, über die Ebene des Seelengeistes hinaus in die Sphäre des Selbst, das lichtvoll und verbunden alles Wirkliche durchwebt. Es ist nicht das Wesen, das sich in einem Moment des Erwachens weitet – jeder Mensch ist all dieses in jedem Augenblick – es ist das eigene Bewusstsein, das den Mut und die Liebe aufbringt, dieses wahr und wirklich zu erfahren. Erwachen ist ein Erleben, das Erfahren des zehnten Stromes, des reinen, unendlich ausgeweiteten Seins, das lebendige Pulsieren des gesamten Raumes durch alle Ebenen und Körper hindurch, das jede und jeder von uns ist.

Diese Erfahrung ändert das Leben grundlegend. Das, was vorher nur eine Idee, nur Worte waren, ist nun wirklich. Von diesem Moment an seid ihr ein Wesen, das weit, liebevoll und weise ist. Im Innern kennt ihr in Tiefe und besitzt eine neue Wirksamkeit, die den Nächsten zuteil wird, auch wenn das eigenes Bewusstsein sich immer wieder weitet und engt.

Auch weiterhin ziehen die Gedanken einen in fremde Räume, auch weiterhin zeigt das Gefühl Angst, Wut, Freude, Leid und Traurigkeit, auch weiterhin reagiert ihr auf äußere Eindrücke, auf die Worte und Einwirkungen anderer, in alten Mustern, in Emotionen. Auch weiterhin spürt ihr euch in einer Welt aus Schwingungen, die nicht alle hoch und reine Liebe sind. Doch nun wisst ihr euch in euch selbst geführt und gelangt immer wieder zu euch selbst zurück.

Wer das Erwachen einmal gekostet hat, möchte nur noch eines im Leben: sich selbst ganz klären. Mit dem Erwachen kommen neue Herausforderungen: Wer sich auf diesen Weg begibt, kommt nicht umhin, nach und nach allen Schatten in sich zu begegnen. So schwankt das Gewahrsein des eigenen Selbst immer wieder. Es ist eine Zeit der Prüfungen.

Es ist möglich, zu fallen. So tief, dass die Gefallene und der Gefallene das einst wahr Erlebte als Illusion abtut und sich selbst als der, der er ist, erneut verleugnet.

Ich gehe meinen Weg im Vertrauen. Das Selbst zeigt sich mir in den weisen, hilfreichen Antworten, die auf hundert Arten zu mir gelangen, in dem Licht, das ich in mir, im Körper, in der Seele und im Geist spüre, in den Geschehnissen, die liebevoll, abgestimmt und wundersam sind. Die ein auf sich allein gestelltes Wesen niemals vollbringen könnte.

Wie erwacht bist du?

Wie erwacht möchtest du sein?

Ein Becher voll Maya (Geschichten zum Vorlesen Nr. 7)

Vor langer Zeit lebte in Indien ein Held. Eines Tages begegnete er Vishnu. Sie wanderten zusammen durch das Land und Vishnu fragte ihn, ob er irgendeinen Wunsch habe, den er ihm erfüllen könne.

«Lehre mich, was Maya bedeutet», bat der Mann. «Oh nein», sagte Vishnu, «wünsche dir irgendetwas anderes, nur nicht das!» «Aber ich möchte von dir lernen, was Maya bedeutet», antwortete der Mann. «Du kannst dir alles wünschen», sagte Vishnu, «eine schöne, hingebungsvolle Frau, große Reichtümer, Paläste, Gesundheit, ein langes Leben.» «Ich möchte lernen, was Maya bedeutet», antwortete der Mann.

«Nun gut», sagte Vishnu, «wenn das dein Wunsch ist, werde ich ihn erfüllen. Aber hole mir bitte zuerst einen Becher voll Wasser von dem Bauernhaus da drüben, und dann werde ich dich lehren, was Maya bedeutet.»

Der Held ging zu dem Bauernhaus und klopfte höflich an die Tür. Die Tür wurde von der schönsten Frau geöffnet, die er je gesehen hatte. Sie war nicht nur wunderschön, sie hatte auch tiefe, seelenvolle Augen. Er sah in diese Augen und verliebte sich. In diesem Augenblick wusste er, dass sie sich von früheren Leben her kannten und dass sie füreinander bestimmt waren. Sie wusste es ebenfalls. Sie bat ihn ins Haus und stellte ihn ihrer Familie vor. Ihre Eltern hießen ihn willkommen, als sei er ihr eigener, geliebter Sohn. Als er mit ihnen beisammen saß, fühlte er so tiefen Frieden in sich, dass er wusste: hier war er zuhause. Er hielt um die Hand der Frau an und die Eltern gaben dem Paar ihren Segen und ein Stück Land mit einem kleinen Bauernhaus darauf. Es dauerte nicht lange, da brachten beide einen Jungen auf die Welt und bald darauf ein Mädchen. Ihre Liebe zu den Kindern vertiefte ihre Liebe zueinander. Die Felder brachten reiche Ernte. Sie lebten mit den Jahreszeiten und das Glück schien jeden Tag in ihre Herzen.

Eines Tages erscholl ein Donnergrollen aus den Bergen. Der Himmel verdunkelte sich, die Erde bebte und eine gewaltige Flut ergoss sich über die Ebene. Der Mann griff seine kleine Tochter mit einem Arm und nahm seine Frau mit dem Jungen an die andere Hand. Sie rannten davon. Die Wassermassen zerstörten zuerst ihre Felder, dann ihr Haus. Sie liefen so schnell sie konnten, aber das Wasser um sie herum begann zu steigen und eine plötzliche Flutwelle trennte den Mann von seiner Frau. Er schrie auf und versuchte, nach ihr zu greifen, als sie weggerissen wurde. Dabei verlor er auch das Baby, das er im Arm getragen hatte. Er schrie wieder auf und das Leid zerriss ihm das Herz. Er klagte und weinte, und um ihn herum tobte der Sturm, der sein Haus, seine Liebe und sein Leben zerstört hatte. Er blickte nach unten und sah, wie seine Tränen in das schlammige, tosende Wasser fielen, in dem er stand.

Als die Tränen die Wasseroberfläche berührten, beruhigte sich das Wasser und wurde klar. Er sah auf und erkannte, dass er in einen Becher geweint hatte, den er in der Hand hielt. Er blickte in Vishnus Augen. Vishnu lächelte und sagte: «Das ist Maya.»

[mit freundlicher Genehmigung aus Bruno P. Würtenberger: Klartext – Jenseits der Illusion, www.freespiritinfo.com, 2002]

PS: ‹Erwachen› ist eines der Worte mit der Vorsilbe ‹er›, siehe auch ‹erleben›. ‹Erwachen› bedeutet im Ursprung: «ER wacht (in mir) auf» und auch: «ER wacht über mich». Das Leben selbst schläft niemals. Die Schale der Umfangenheit kann jedoch das eigene Wahrnehmen in einen dämmrigen Zustand hüllen.

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veröffentlicht am 16.7.2016, letzte Änderung am 11.8.2017 um 15:00 Uhr

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